Epilepsie - Behandlung

Behandlung



Hat man eine behandelbare Ursache identifiziert, wie einen Tumor, eine Infektion oder einen auffälligen Zucker- oder Natriumgehalt des Bluts, behandelt man zunächst diese Störung. Wenn die zugrunde liegende Krankheit beseitigt ist, müssen die Anfälle selbst unter Umständen gar nicht behandelt werden. Läßt sich keine Ursache erkennen oder diese nicht völlig heilen oder kontrollieren, muß man vermutlich Medikamente gegen Anfälle einnehmen (Antiepileptika), um weitere Anfälle zu verhindern. Erst im Laufe der Zeit stellt sich heraus, ob jemand wiederholt Anfälle hat. Bei etwa einem Drittel der Betroffenen treten wieder Anfälle auf, während die anderen zwei Drittel nie wieder einen Anfall bekommen. Eine medikamentöse Behandlung wird in der Regel nicht angesetzt, wenn nur einmal ein Anfall vorgekommen ist, bei wiederkehrenden Anfällen ist sie jedoch erforderlich. Aus mehreren Gründen sollten Anfälle verhindert werden. Heftige, schnelle Muskelkontraktionen können zu körperlichen Schäden und sogar zu Knochenbrüchen führen. Stürze und Unfälle infolge einer Ohnmacht können schwere Verletzungen zur Folge haben. Die stürmischen elektrischen Entladungen während eines Grand-mal-Anfalls hinterlassen möglicherweise geringe Schäden im Gehirn. Die meisten Epileptiker haben allerdings Dutzende oder mehr Anfälle in ihrem Leben, ohne daß das Gehirn schwere Schäden davonträgt. Einzelne Anfälle beeinträchtigen die geistigen Fähigkeiten nicht, bei wiederholten Krampfanfällen ist dies jedoch nicht auszuschließen. Medikamente können bei etwa der Hälfte der Epileptiker die Anfälle vollständig unterdrücken und bei einem weiteren Drittel die Häufigkeit deutlich senken. Bei Petit-mal-Anfällen sind die Medikamente etwas weniger wirksam. Die Hälfte der Personen, bei denen die Antiepileptika wirken, kann die Mittel nach einer gewissen Zeit absetzen, ohne daß wieder Anfälle auftreten. Es gibt kein Medikament mit dem sich sämtliche Anfallsformen unter Kontrolle bringen lassen. Manche Menschen benötigen nur ein einziges Mittel, während andere mehrere verschiedene einnehmen müssen, um keine oder kaum mehr Anfälle zu haben. Bei einem Status epilepticus, der einen Notfall darstellt, muß der Arzt dem Betroffenen so bald wie möglich große Mengen eines Antiepileptikums spritzen. Außerdem werden Maßnahmen ergriffen, um Verletzungen während des langen Anfalls zu vermeiden. Antiepileptika sind zwar sehr wirksam, haben aber auch Nebenwirkungen. Viele verursachen Schläfrigkeit, führen bei Kindern paradoxerweise aber auch zu einer starken Erregung. Der Arzt ordnet regelmäßig Blutuntersuchungen an, um festzustellen, ob das Mittel die Funktion von Nieren,Leber oder Blutzellen beeinträchtigt. Menschen, die Antiepileptika einnehmen, sollten auf mögliche Nebenwirkungen achten und beim ersten Anzeichen ihren Arzt verständigen. Die Dosis eines Antiepileptikums ist entscheidend, denn sie muß hoch genug sein, um Anfälle zu verhindern, darf aber nicht so hoch sein, daß die Nebenwirkungen problematisch werden. Der Arzt paßt die Dosis an, nachdem er sich nach Nebenwirkungen erkundigt und den Medikamentenspiegel im Blut bestimmt hat. Jeder der Antiepileptika einnimmt, sollte regelmäßig einen Arzt aufsuchen falls die Dosis erhöht werden muß, und immer einen Notfallausweis bei sich tragen, aus dem das Anfallsleiden und die eingenommenen Medikamente hervorgehen. Die meisten Menschen, die an Epilepsie leiden, fallen, außer während eines Anfalls, nicht auf und leben wie alle anderen. In einigen Bereichen müssen sie sich jedoch einschränken. So sollten Epileptiker beispielsweise keinen Alkohol trinken. Außerdem dürfen sie nur dann Auto fahren, wenn sie das Fahrzeug sicher führen können. Wann das bei einem Epileptiker der Fall ist, ist in Begutachtungsrichtlinien definiert. Ein Punkt lautet zum Beispiel, daß er zwei Jahre lang anfallsfrei gewesen sein muß. Ein Familienmitglied oder ein guter Freund sollte angeleitet werden, um im Fall eines Anfalls helfen zu können. Im Gegensatz zur landläufigen Meinung muß die Zunge bei einem Anfall nicht geschützt werden. Derartige Anstrengungen können mehr schaden als nützen, da möglicherweise die Zähne beschädigt werden oder der Betroffene den Helfer unabsichtlich beißt, wenn er die Kiefer zusammenpreßt. Wichtig ist, den Betroffenen vor Stürzen zu bewahren, die Kleidung am Hals zu lockern und ein Kissen unter den Kopf zu legen. Hat der Betroffene das Bewußtsein verloren, sollte man ihn auf die Seite rollen, um die Atmung zu erleichtern. Auf keinen Fall sollte man ihn alleine lassen, bevor er wieder völlig zu sich gekommen ist und sich normal bewegen kann. Meist ist es ratsam, den behandelnden Arzt zu verständigen. In etwa 10 bis 20 Prozent der Fälle verhindern Medikamente allein die Anfälle nicht. Hat man einen Gehirnschaden festgestellt, der sich auf einen kleinen Bereich beschränkt, kann dieser Bereich vielleicht chirurgisch entfernt und das problem so behoben werden. Die Nervenfasern zu durchtrennen, die die beiden Gehirnhälften miteinander verbinden (Corpus callosum), kann wirkungsvoll sein, wenn mehrere Anfallsherde vorhanden sind oder wenn sich die Anfälle sehr schnell auf das ganze Gehirn ausbreiten. Eine Operation am Gehirn zieht man jedoch erst in Betracht, wenn alle Medikamente versagt haben oder die Nebenwirkungen nicht geduldet werden können.

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